Zum Leserbrief „Putin … wie damals Hitler“

Putin muss gestoppt werden

Zum Artikel „Bekannter Grüner aus dem Kreis Stade schmeißt hin“ (TAGEBLATT vom 13. März) schreibt Margarethe Guderian aus Harsefeld:

Sonntag, 24.03.2024, 17:51 Uhr

Viele verstehen Ralf Poppe nicht. Er, der so engagierte und geschätzte Harsefelder, hat eine solche Außenseitermeinung und verlässt die Grünen, die sich ganz staatsmännisch pragmatisch den neuen Herausforderungen stellen, die Putins Angriffskrieg uns aufbürdet, um diesem Despoten Einhalt zu gebieten. Äußerungen in Ralf Poppes letzten Leserbriefen gingen schon in diese Richtung und der Parteiaustritt ist somit eigentlich nur konsequent. Mich verbinden mit Herrn Poppe viele Jahre der Flüchtlingsunterstützung und später die Diskussion um Putins Person. Meine ihm geschickten informativen Dokus unserer freien Presse über Putins Gebaren hat er wohl nie angesehen. Er folgte anderen, sogenannten „unabhängigen“ Informationsquellen im Internet.

Ich jedoch rate zur Meinungsbildung über die heutige Politik den Blick auf frühere Zeiten.

Das im Zweiten Weltkrieg besiegte Deutschland schaut da mit sich selbst sehr kritisch zurück. In autokratischen Ländern wird die Geschichtsschreibung oft geschönt, verändert im Sinne ihrer Machthaber. In Russland wird Stalin, der Menschen-Schlächter, wieder verehrt, der sein eigenes Volk drangsalierte und um etwa zehn Millionen dezimierte durch mehrere Säuberungswellen in der Bevölkerung und durch ihn verursachte Hungersnöte, besonders auch in der Ukraine.

Putin wünscht sich Stalins Großreich zurück und kopiert schon seit Jahren dessen allumfassende, willkürlich mörderische Macht. Man denke nur an Nawalny.

Nicht einmal russische Menschenleben zählen für ihn. Wie viele Soldaten, Tausende bis Hunderttausende, starben schon im Krieg in der Ukraine? Er könnte seine Männer einfach nach Hause zurückholen, um ihr Leben zu retten, ihren Müttern die Söhne zurückzugeben.

Auch wie die Russen unter Stalin nach dem zweiten Weltkrieg mit den Menschen in den eroberten Gebieten verfuhren, Frauen vergewaltigten, aus allen Familien Männer oder Frauen nach Sibirien in Gulags verschleppten, sie quälten oder gar ermordeten, gibt einen Vorgeschmack auf einen vermeintlichen Frieden, den Ralf Poppe und andere, zum Beispiel Sarah Wagenknecht, für möglich halten.

Polen, Balten, Menschen in der DDR oder eben die Ukrainer wissen aus Erfahrung, wie sich russische Herrschaft anfühlt. Hört auf sie.

Putin muss gestoppt werden wie damals Hitler.

 

Tja. Was soll ich dazu schreiben, Reta?

Dass die USA 1962 wegen russischer Raketen auf Kuba Krieg geführt hätten, ist ok aber die Kündigung von Abrüstungsvereinbarungen und die Moskau viel nähere Stationierung amerikanischer Raketen in (Polen, Rumänien und) der Ukraine muss Russland hinnehmen? Das ist zweierlei Maß.

Auf welche Tatsachen stützt du deine Behauptung, dass Putin sich „Stalins Großreich“ zurückwünscht?

Der Zeitzeuge Günter Verheugen (SPD) bestätigte, dass, als Voraussetzung für die Wiedervereinigung Deutschlands, Russland versprochen wurde, es werde keine Osterweiterung der NATO geben. Russland wollte sich dem Westen annähern, im Jahr 2000 sogar selbst der NATO beitreten, worauf Präsident Clinton nicht einging. 2008 machte die NATO die damals laut Verfassung neutrale Ukraine zum Beitrittskandidaten. Der Friedensnobelpreisträger Obama verspottete Russland als „Regionalmacht“ (Zitat: Die Welt). Selenski trat mit dem Versprechen zur Präsidentenwahl an, den 2014 ausgebrochenen Bürgerkrieg in der Ukraine zu beenden und dem Land Frieden zu bringen.

Trotz ausdrücklicher Warnungen von Putin und westlicher auch amerikanischer Spitzendiplomaten, dass der Beitritt der Ukraine in die NATO für Russland aus legitimen Sicherheitsinteressen nicht hinnehmbar sei, trieben insbesondere die USA die NATO-Erweiterung voran. Ich nenne das Provokation.

Dennoch hätte auf Betreiben Russlands die Kriegsgefahr im Dezember 2021 abgewendet und der Krieg im März/April 2022 ohne Gebietsverlust für die Ukraine beendet werden können, wenn die USA es der Ukraine erlaubt hätten. Hunderttausende Ukrainer und Russen wären noch am Leben, die Ukraine wäre noch heil und läge wirtschaftlich nicht am Boden. Und du und andere fordern, dass das Töten und Zerstören weitergeht. Alles Putins Schuld?

Eine wie von Präsident Putin vorgeschlagene neutrale Ukraine mit internationalen Sicherheitsgarantien hätte eine Brücke zwischen Russland und der EU sein können – und kann es immer noch werden, wenn die westliche Kriegstreiberei aufhört und endlich eine Waffenruhe vereinbart und Verhandlungen begonnen werden.

Statt in Kooperation mit unserem Nachbarn Russland den Frieden in Europa zu sichern, den Wohlstand zu fördern und den Klimawandel zu bremsen, führen uns deine und die Hetze anderer gegen Putin – ja wohin eigentlich? Was genau ist das Kriegsziel? Was heißt das: Putin darf nicht gewinnen?

Wir treiben Russland in die Arme Chinas. Wir isolieren uns immer mehr in einer immer ungläubiger auf Deutschland schauenden übrigen Welt. Die übrige Welt fragt sich: Woher kommt wieder diese Kriegsbegeisterung in Deutschland? Haben die Deutschen denn gar nichts aus ihren verlorenen Kriegen gelernt?

Die USA werden schon bald wieder offen „America first!“ leben und der Ukraine und Europa den Rücken kehren. Und dann? Was wird dann aus der EU und Deutschland?

3 Kommentare

  1. Margarethe Guderian

    Wo steht Deutschland alleine gegen Putin?
    Wo lebst du?
    Du stehst mit deiner Meinung ziemlich alleine.
    Träume weiter über Putin, wie du mit ihm Frieden in Europa gestaltest.
    Lieber Ralf, ich habe alles versucht, dir meine und die der meisten in Europa nahezubringen.
    Jetzt gebe ich es auf.

    Hoffentlich wird bald Frieden, vor allem für die Ukrainer

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  2. Fred Lang

    Zitat: „Eine wie von Präsident Putin vorgeschlagene neutrale Ukraine mit internationalen Sicherheitsgarantien hätte eine Brücke zwischen Russland und der EU sein können – und kann es immer noch werden, wenn die westliche Kriegstreiberei aufhört und endlich eine Waffenruhe vereinbart und Verhandlungen begonnen werden.“

    Das ist der springende Punkt. Punktum!

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    • Margarethe Guderian

      Das hatte Selenskyj angeboten. Putin will die Ukraine einverleiben und keine unabhängige Ukraine. Dazu müsste es Waffenruhe geben und Verhandlungen. Putin findet die „lächerlich“ jetzt.

      Mit „hätte“ kommen wir leider in der Realität nicht weiter. Aber auch damals hätte es die Ukraine nicht gerettet. Naivität des Westens und seine Abrüstungen haben Herrn Putin eingeladen, sein schon jetzt riesiges Reich noch zu vergrößern.

      Das ist alles so überflüssig gewesen und für so viele Menschen todbringend, was Herrn Puüberhaupt nicht im Geringsten tangiert. Es gibt völlig empathielose Menschen. Das ist traurige, bekannte Tatsache.

      So ich bin jetzt hier raus.

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